Über das Bernsteinmädchen - Bernsteinmädchen
Dies ist mein Blog über meine Heimatküste, die sich von Warnemünde bis nach Usedom erstreckt. Und manchmal, hin und wieder, bringt mich mein Fernweh an ferne Küsten.
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Über das Bernsteinmädchen

Die Deern van der Waterkant

Aufgewachsen am Meer, zog es mich bald in die Welt hinaus: USA, Großbritannien, Dänemark, Malta. Insgesamt fünf Jahre habe ich hier und dort verbracht und hatte immer noch das Meer vor der Nase: Die Südküste von England, die Ostsee vor Jütland und auf Malta ist das Wasser nirgendwo weit.

Dass meine Auslandsaufenthalte alle das Meer gemeinsam haben, ist mir erst später aufgefallen und ich bin mir sicher, dass ich unbewusst dieses Stückchen Heimatgefühl einfach mitgenommen, im Brustbeutel verstaut habe.

Wenn man an der Bernsteinküste groß wird, merkt man nicht gleich, was für ein Glück das ist. Alles fühlt sich selbstverständlich an. Im Sommer schüttelt man den Kopf über die unzähligen Touristen und denkt sich: „Was wollen die nur alle hier?“
Der Zauber liegt darin, hier aufzuwachsen, dem Fernweh nachzugeben, die Welt zu entdecken und dann heimzukommen. Ein schönes Gefühl. Manchmal auch bittersüß wie eine Pampelmuse.

Man sagt, dass man erst von hier fort muss, um seinen Hafen zu finden. Man sagt auch, dass man erst dann ein Küstenmensch ist, wenn man das Meer auch im Winter liebt.

Die Bernsteinküste ist nicht nur meine Heimat, sie ist auch ein Kaleidoskop randvoll mit Sinneseindrücken… die klare Luft im Winter, die zum Sommer hin langsam klebrig wird. Der Dorsch auf der Zunge und das Zitroneneis um den Mund verschmiert. Das Gebrüll der See in einer sturmumtosten Nacht und die Stille danach. Und überall der Horizont.
Sie ist ein großes Glas mit Erinnerungen auf Papierschnipsel gekritzelt, manche flüchtig, manche ewig.

Das Bernsteinmädchen im Sommer

Kurze Jumpsuits mit Blumenmuster tragen.
Mit den nackten Beinen an den Ledersitzen in Papas Auto festkleben.
Die Füße im heißen Sand verbrennen.
Nicht warten, bis die Sonnencreme eingezogen ist.
Untertauchen, bis die Lippen blau werden.
Glitschige Buhnen unter den Füßen.
Unentschlossen sein was schlimmer ist: Quallen oder Seetangberge.
Wassermelonenkerne in den Sand spucken. Und alles klebt.
Abends den Sand zwischen den Zehen und den Seetang aus den Haaren waschen.
Den ganzen Sommer lang nach Sonnenmilch riechen und einen Wuschelkopf tragen.
Knusperbraun in der Hängematte liegen, bis der Hund die Füße abschleckt.
Alte Bilder anschauen und Mama im Strandkorb entdecken.
Im Bademantel an den Strand tapern, nachdem alle verschwunden sind und sich nackt im Sonnenuntergang treiben lassen.
Nach dem Gutenacht die Beine aus dem Fenster schwingen, sich eine Decke um die Schultern wickeln und zusehen, wie die Sonne das Meer berührt.
Das Wetterleuchten in der Ferne beobachten und auf das Sommergewitter warten.

Das Bernsteinmädchen im Herbst

Die Gummistiefel aus dem Keller holen und die Flipflops einfach nach hinten schieben.

Vom Meer geschliffene Glassplitter am Strand sammeln und in das Glas mit den vielen bunten Scherben legen.

Die ausgeblichenen Haarspitzen abschneiden und die sandbedeckten Laken wechseln.

Bei einem Herbstturm raus ans Meer und sich Gischt und Sand um die Ohren wehen lassen.

Das Rot der Hagebutten zwischen den Herbstfarben leuchten sehen.

Den Wellen beim Brechen zusehen und quietschend zurückschrecken, wenn das Wasser zu nah an die Füße kommt.

Die schief und krumm gepusteten Windflüchter fotografieren.

Das Bernsteinmädchen im Winter

Die Düne überqueren und genau drei Farben sehen: Sand, Dunkelmeerblau und Sturmgrau.

Treibgut sammeln, um Ketten für den Sommer aufzufädeln.

Den Kopf tief in die Kapuze legen und den Winterbrand auf den Wangen spüren.

Zuhause die klammen Beine warmreiben und den Ofen anmachen.

Die Eisschollen auf dem Meer bewundern, wenn es ein besonders kalter Winter ist.

Einen Schnee-Seemann bauen, mit Pfeifchen und rotem Halstuch.

Den Deich hinunterlaufen und es nicht glauben können, dass man den ganzen Strand für sich alleine hat.

Am 1. Januar Ballons mit Wünschen für das neue Jahr am Strand fliegen lassen.

Das Bernsteinmädchen im Frühling

Mit billigem Wein am Frühlingsstrand sitzen und die ersten langen Tage genießen.

Nach einem großen Sturm aus Nordost nach Bernsteinen suchen.

Und sie nicht mit Phosphor verwechseln.

Bemerken, wie jahreszeitenlos der Strand ist. Frühling?

Die Zehe zum ersten Mal im Jahr ins Wasser tauchen, während alle anderen noch im Winterputz herumstaksen.

Das Stöckchen weit ins Meer werfen.

Direkt daneben stehen, wenn sich der Hund das Meer aus dem Fell schüttelt.

Eine Flaschenpost aus dem letzten Sommer finden.

Schon mal die Flipflops hervorholen.

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